Baby spielt in der NaturFrüher wurde ein hohes kreatives Potenzial nur einigen wenigen herausragenden Persönlichkeiten zugesprochen. Mittlerweile aber haben (nicht nur) Forscher und Wissenschaftler erkannt, dass jedes Kind von Natur aus dieses Potenzial zur Kreativität innehat. Und was könnte besser dabei helfen, dieses natürliche Potenzial zu unterstützen als die Natur selbst?

Ob Jäger und Sammler oder Forscher und Entdecker – in der Natur kommt jeder auf seine Kosten! Hier können tolle Gegenstände gesammelt werden, über die sich bestimmt jedes Kind freut. Das Tolle ist, dass später mit genau diesen Dingen die Kreativität noch weiter gefördert werden kann, indem daraus etwas Tolles gebastelt wird: Blumenkränze, Herbstdekoration aus Blättern, Kastanien und Tannenzapfen, oder ganz einfach ein gemaltes Bild, das mit den Naturprodukten beklebt wird. Auch als Alternative zu Bauklötzen können die Naturmaterialien genutzt werden. Wie wäre es, Türmchen aus Kastanien und Tannenzapfen zu bauen (hier gilt das Motto: Der Wille zählt!), oder sogar ganze Burgen und Häuser authentisch mit Garten und Wald drum herum.

Förderung der Kreativität als Bildungsaufgabe

Auch das Bundesministerium für Familie hat sich die Förderung der Kreativität im frühen Kindesalter auf die Fahnen geschrieben. Denn sie unterstützt das Kind dabei, eine kreative Persönlichkeit zu entwickeln und nicht zuletzt auch bessere Leistungen in der Schule zu erzielen, wie eine amerikanische Studie mit Grundschulkindern zeigte. Wenn Kinder spielen, beziehen sie automatisch Fantasie und Vorstellungskraft in ihr Spiel mit ein, und hierfür benötigen sie nicht einmal große und tolle Spielsachen. Wer ein kleines Kind im Wald herumtollen sieht, das sich gefühlte fünf Stunden damit beschäftigt, mit einem Stock im Laubhaufen herum zu wühlen, kann sich wahrscheinlich nur schwer vorstellen, dass das Spaß macht. Doch genau diese Erlebnisse im Kindesalter sind es, die die Kreativität fördern und sie auch bis ins Erwachsenenalter erhalten.

Neurologen haben außerdem festgestellt, dass das Gehirn am besten arbeitet, wenn es Spaß hat. So verbirgt sich hinter dem Ausspruch „The brain runs of fun!“ eine Lebensweisheit, die Kinder anscheinend automatisch umzusetzen wissen, und die sich auch die Erwachsenen öfter zu Herzen nehmen sollten, als die meisten es vermutlich tun. Denn Kreativität ist nicht nur eine schöne Sache, sondern ist als übergreifende Kompetenz anzusehen, wenn es darum geht, Probleme zu lösen und mit seiner Umwelt zu kommunizieren. In der Natur können Kinder am besten lernen, neugierig zu sein und Dinge auszuprobieren, was ihnen wiederum ein gesundes und natürliches Selbstvertrauen gibt.

Natur für die Sinne

Und auch die Sinne werden durch den Kontakt mit der Natur geschärft. So schulen Kleinkinder ihren Tastsinn, indem sie lernen, welche Unterschiede es zwischen verschiedenen Materialien gibt, und wie sich Dinge überhaupt anfühlen. Weiterhin haben laut Haptikforscher Martin Grunwald diejenigen später ein filigraneres Fingerspitzengefühl, die schon früh die Unterschiede zwischen Naturmaterialien wie Erde, Lehm und Sand mit den Händen erforscht haben. Denn jede Sinneswahrnehmung hinterlässt im Kleinkindalter eine Spur im Gehirn, und so wird der Ausflug in den Wald oder Park nicht nur ein netter Tag, sondern für die Kinder ein lehrreiches Erlebnis. Die Natur schult weiterhin gleich auch noch motorische Fähigkeiten wie Hüpfen, Klettern und Balance zu halten.

Der Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich wusste sogar schon vor über 40 Jahren, wie wichtig die Natur für die Entwicklung von Kindern ist: „Der junge Mensch braucht seinesgleichen – nämlich Tiere, überhaupt Elementares: Wasser, Dreck, Gebüsche, Spielraum. Man kann ihn auch ohne dies alles aufwachsen lassen, mit Stofftieren, Teppichen, auf asphaltierten Straßen und Höfen. Er überlebt es, doch man soll sich dann nicht wundern, wenn er später bestimmte soziale Grundleistungen nicht mehr erlernt.“ In diesem Sinne: Geht raus und habt Spaß!